
Kurzantwort
Kollagen Typ I, II und III sind verschiedene Varianten desselben Strukturproteins: Typ I kommt vor allem in Haut, Knochen und Sehnen vor, Typ II im Knorpel und Typ III gemeinsam mit Typ I in Haut und Blutgefäßen. In Kollagenpeptiden (Kollagenhydrolysat) ist die ursprüngliche Faserstruktur durch enzymatische Spaltung aufgelöst – der „Typ“ beschreibt dann vor allem, aus welchem Gewebe der Rohstoff stammt. Auf dem Etikett zählen daher Tierart, Gewebe, Hydrolysegrad, Eiweiß pro Portion, Zusatzstoffe und Prüfungen; zugelassene Health Claims gibt es für Kollagen nicht.
Auf einen Blick
- Es sind rund 28 Kollagentypen bekannt; Typ I macht den mit Abstand größten Anteil im Körper aus.
- Kollagen kommt nur in tierischem Gewebe vor – ein echtes Kollagenpulver ist deshalb nie vegan.
- Gelatine und Kollagenhydrolysat stammen aus denselben Rohstoffen, unterscheiden sich aber im Grad der Aufspaltung.
- Kollagen enthält praktisch kein Tryptophan und ist daher kein vollständiges Protein.
- Für Kollagen gibt es keinen zugelassenen EU-Health-Claim; Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei.
Was ist Kollagen?
Kollagen ist ein faserbildendes Strukturprotein und das häufigste Protein im Körper von Menschen und Tieren. Es verleiht Haut, Knochen, Knorpel, Sehnen, Bändern und Blutgefäßen ihre Festigkeit. Ohne Kollagen hätte unser Bindegewebe keine Zugfestigkeit.
Der Grundbaustein ist eine lange Proteinkette mit einem sich wiederholenden Muster: Etwa jede dritte Aminosäure ist Glycin, dazwischen finden sich häufig Prolin und Hydroxyprolin. Drei dieser Ketten winden sich zu einer Tripelhelix. Viele Helices lagern sich zu Fibrillen und schließlich zu Fasern zusammen.
Der Körper stellt sein Kollagen selbst her, aus Aminosäuren, die er aus dem Nahrungseiweiß gewinnt. Für einen Schlüsselschritt dieser Synthese braucht er Vitamin C: Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut, Knochen, Knorpel, Blutgefäße, Zähne und des Zahnfleisches bei. Mehr dazu liest du im Beitrag Vitamin C: Funktionen, Lebensmittel, Supplementierung.
Typ I, II und III im Vergleich
Die Wissenschaft kennt rund 28 Kollagentypen, nummeriert mit römischen Ziffern. Sie unterscheiden sich in der Zusammensetzung ihrer Ketten und darin, welche Strukturen sie bilden. Für Nahrungsergänzungsmittel werden vor allem die Typen I, II und III genannt.
| Typ | Vorkommen im Körper | Typische Rohstoffe für Produkte | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Typ I | Haut, Knochen, Sehnen, Bänder, Zähne | Rinderhaut, Schweinehaut, Fischhaut und -schuppen | Mit Abstand häufigster Typ, oft wird rund 90 % genannt |
| Typ II | Knorpel (z. B. Gelenkknorpel), Glaskörper des Auges | Hühnerbrustknorpel, Rinderknorpel | Wird teils als hydrolysiertes, teils als „nicht denaturiertes“ Kollagen angeboten |
| Typ III | Haut, Blutgefäße, innere Organe – meist zusammen mit Typ I | Rinder- und Schweinehaut | Kommt in Rohstoffen fast immer gemeinsam mit Typ I vor |
| Typ IV und V | Basalmembranen (IV), Haut und Plazenta (V) | selten gezielt ausgelobt | Für die Produktauswahl kaum relevant |
Vereinfachte Übersicht nach biochemischen Lehrbuchdarstellungen. Rohstoffe enthalten meist mehrere Kollagentypen in unterschiedlichen Anteilen.
In der Praxis bedeutet das: Ein Kollagenpulver aus Rinderhaut enthält typischerweise eine Mischung aus Typ I und Typ III. Ein Produkt aus Hühnerknorpel enthält vor allem Typ II. Wenn ein Etikett mit „Typ I, II, III und V“ wirbt, liegt das oft an einer Mischung verschiedener Rohstoffe – nicht an einer besonderen Qualität.
Gelatine, Hydrolysat, Peptide: die Begriffe
Rund um Kollagen werden mehrere Begriffe verwendet, die oft verwechselt werden. Alle beschreiben dasselbe Ausgangsprotein in unterschiedlichem Verarbeitungsgrad.
- Natives Kollagen ist die intakte Faser im Gewebe. Es ist kaum wasserlöslich.
- Gelatine ist teilweise aufgespaltenes Kollagen, das durch Erhitzen gewonnen wird. Sie löst sich in warmem Wasser und geliert beim Abkühlen.
- Kollagenhydrolysat, auch Kollagenpeptide genannt, ist enzymatisch weiter zerlegtes Kollagen. Die kürzeren Peptidketten gelieren nicht und lösen sich auch in kalten Flüssigkeiten.
- Nicht denaturiertes Typ-II-Kollagen wird schonend verarbeitet, um Teile der ursprünglichen Struktur zu erhalten, und in sehr kleinen Mengen (Milligrammbereich) angeboten. Es ist ein eigenes Konzept, das mit Kollagenpeptiden im Grammbereich nicht vergleichbar ist.
Die Größe der Peptide wird in Dalton (Da) angegeben. Viele Hersteller von Hydrolysaten nennen mittlere Molekulargewichte im Bereich weniger Tausend Dalton. Eine solche Angabe beschreibt die Verarbeitung, ist aber für sich genommen kein Wirkversprechen.
Gut zu wissen: Im Verdauungstrakt wird Kollagen wie jedes andere Protein in Aminosäuren und kleine Peptide zerlegt. Der Körper baut aus diesen Bausteinen dann eigene Proteine – das aufgenommene Kollagen wird also nicht „direkt eingebaut“.
Spielt der Typ bei Peptiden noch eine Rolle?
Die Kollagentypen unterscheiden sich vor allem in ihrer Struktur: wie die Ketten zusammengesetzt sind und welche Fasern sie bilden. Bei der Hydrolyse wird genau diese Struktur aufgelöst. Übrig bleiben kürzere Peptide und Aminosäuren, deren Zusammensetzung bei Typ I und Typ III recht ähnlich ist.
Deshalb beschreibt die Typ-Angabe bei Kollagenpeptiden vor allem die Herkunft des Rohstoffs. Für Hydrolysate im Grammbereich ist die Frage „Welcher Typ?“ weniger entscheidend als oft dargestellt. Wichtiger sind Fragen wie: Aus welchem Tier und welchem Gewebe stammt der Rohstoff? Wie rein ist das Produkt? Wie viel Eiweiß liefert eine Portion?
Beim nicht denaturierten Typ-II-Kollagen ist das anders, weil hier gerade die erhaltene Struktur das Konzept ist. Die Datenlage dazu ist begrenzt, und auch hier gibt es keinen zugelassenen Health Claim.
Was auf dem Etikett zählt
Mit dieser Checkliste kannst du Kollagenprodukte nüchtern vergleichen – unabhängig davon, welcher Typ beworben wird:
- Rohstoff und Tierart: Steht klar da, ob Rind, Schwein, Fisch oder Huhn verwendet wird? Das ist auch für Allergien, Ernährungsweise und religiöse Vorgaben wichtig.
- Herkunft: Werden Herkunft und Haltungsform des Rohstoffs genannt?
- Form: Handelt es sich um Kollagenhydrolysat (Peptide), Gelatine oder nicht denaturiertes Kollagen?
- Eiweiß pro Portion: Wie viel Gramm Eiweiß liefert eine Tagesportion laut Nährwerttabelle?
- Zutatenliste: Ist es reines Kollagen oder sind Aromen, Süßungsmittel und weitere Zusätze enthalten?
- Prüfungen: Wird angegeben, worauf geprüft wird, etwa Schwermetalle und mikrobiologische Belastung? Hintergründe dazu in Was laborgeprüft wirklich heißt.
- Aussagen: Werden Wirkungen auf Haut, Gelenke oder Haare versprochen? Für Kollagen ist das nicht zulässig – solche Versprechen sind ein Warnsignal.
Eine ausführliche Transparenz-Checkliste für Supplements findest du im Beitrag Vegane Supplements: Transparenz-Checkliste.
Was die Forschung sagt – und was nicht
Kollagenpeptide werden in zahlreichen Studien untersucht, vor allem im Zusammenhang mit Haut, Gelenken und Bindegewebe. Die Ergebnisse sind uneinheitlich, viele Studien sind klein, kurz oder von Herstellern finanziert. Eine verlässliche Aussage zu einer Wirkung am Menschen lässt sich daraus derzeit nicht ableiten.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2011 einen beantragten Health Claim zu Kollagenhydrolysat und der Erhaltung der Gelenke bewertet und dabei keinen ausreichenden Ursache-Wirkungs-Zusammenhang festgestellt. In der EU gibt es deshalb keinen zugelassenen Claim für Kollagen. Produkte dürfen nicht damit werben, dass Kollagen Haut, Gelenke oder Haare verbessert.
Ernährungsphysiologisch ist Kollagen ein Protein mit ungewöhnlichem Profil: Es enthält viel Glycin, Prolin und Hydroxyprolin, aber praktisch kein Tryptophan. Damit ist es kein vollständiges Protein und eignet sich nicht als alleinige Eiweißquelle. Für deine Proteinversorgung bleiben vielfältige Lebensmittel die Basis – mehr dazu im Ratgeber Pflanzliches Protein: Bedarf, Quellen und Pulver.
Vegan und Kollagen: ehrlich eingeordnet
Kollagen wird in der Natur ausschließlich von Tieren gebildet. Ein Kollagenpulver ist deshalb immer ein tierisches Produkt. Produkte mit Namen wie „Vegan Collagen“ enthalten kein Kollagen, sondern zum Beispiel einzelne Aminosäuren wie Glycin, Prolin und Lysin sowie Vitamine – das solltest du wissen, um Produkte fair vergleichen zu können. Mehr dazu im Beitrag Kollagen vegan – gibt es das überhaupt?
Für eine vegane Ernährung ist deshalb ein anderer Blick hilfreich: Statt Kollagen zu essen, kannst du auf die Bausteine und Cofaktoren achten, die dein Körper für die eigene Kollagenbildung braucht. Dazu gehören ausreichend Eiweiß aus vielfältigen pflanzlichen Quellen und Vitamin C. Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei. Gute Vitamin-C-Quellen sind zum Beispiel Paprika, Brokkoli, Zitrusfrüchte und Beeren.

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Zum Produkt →Unser Vitamin C 1.000 mg ist kein Kollagenprodukt, sondern liefert den Nährstoff, für den es einen zugelassenen Claim rund um die Kollagenbildung gibt. Es besteht nur aus L-Ascorbinsäure und einer pflanzlichen Kapselhülle aus Hydroxypropylmethylcellulose; eine Dose mit 365 Kapseln reicht bei 1 Kapsel täglich ein Jahr. Zur Einordnung: Mit 1.000 mg pro Kapsel liegt das Produkt über dem BfR-Höchstmengenvorschlag von 250 mg Vitamin C pro Tagesdosis für Nahrungsergänzungsmittel. Wann du Supplements am besten einnimmst, beschreibt der Beitrag Kollagen morgens oder abends einnehmen; welche Produkte zu deiner Ernährungsweise passen, zeigt der Routine-Finder.
Mythen und Fakten
Mythos: Je mehr Kollagentypen auf der Dose stehen, desto besser.
Fakt: Viele Typen bedeuten meist nur mehrere Rohstoffe. Bei Hydrolysaten sagt die Typ-Angabe vor allem etwas über die Herkunft aus, nicht über die Qualität.
Mythos: Es gibt pflanzliches Kollagen.
Fakt: Pflanzen bilden kein Kollagen. Vegane Alternativen enthalten Aminosäuren und Vitamine, aber kein Kollagen.
Mythos: Kollagen aus dem Pulver landet direkt in der Haut.
Fakt: Kollagen wird verdaut. Der Körper bildet sein eigenes Kollagen aus Aminosäuren und braucht dafür unter anderem Vitamin C.
Mythos: Kollagenpulver ersetzt ein Proteinpulver.
Fakt: Kollagen enthält praktisch kein Tryptophan und ist daher kein vollständiges Protein. Es ist kein Ersatz für eine vielfältige Eiweißversorgung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kollagen Typ I, II und III?
Die Typen unterscheiden sich in Aufbau und Vorkommen. Typ I ist der häufigste und findet sich vor allem in Haut, Knochen und Sehnen. Typ II ist das Hauptkollagen des Knorpels. Typ III kommt meist zusammen mit Typ I in Haut, Blutgefäßen und Organen vor. Bei Kollagenpeptiden beschreibt der Typ vor allem, aus welchem Gewebe der Rohstoff stammt.
Sind Kollagenpeptide dasselbe wie Kollagenhydrolysat?
Ja, beide Begriffe meinen in der Regel dasselbe: Kollagen, das enzymatisch in kurze Peptidketten zerlegt wurde. Im Gegensatz zu Gelatine geliert Hydrolysat nicht und löst sich auch in kalten Getränken. Manche Hersteller geben zusätzlich das mittlere Molekulargewicht in Dalton an, um den Grad der Aufspaltung zu beschreiben.
Gibt es veganes Kollagen?
Nein. Kollagen wird nur von Tieren gebildet. Produkte mit der Bezeichnung „Vegan Collagen“ enthalten Aminosäuren wie Glycin, Prolin oder Lysin und oft Vitamin C, aber kein Kollagen. Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei. Wer vegan lebt, sollte bei Kollagenpulvern immer die Zutatenliste prüfen.
Welche Rolle spielt Vitamin C für Kollagen?
Vitamin C wird für einen Schlüsselschritt der körpereigenen Kollagensynthese benötigt. Deshalb gibt es in der EU den zugelassenen Claim: Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei. Die DGE nennt für Erwachsene Referenzwerte von 95 mg (Frauen) und 110 mg (Männer) pro Tag, die sich mit Obst und Gemüse gut erreichen lassen.
Hat Kollagen eine zugelassene Wirkung auf Haut oder Gelenke?
Nein. Für Kollagen gibt es in der EU keinen zugelassenen Health Claim. Die EFSA hat 2011 einen beantragten Claim zu Kollagenhydrolysat und Gelenken bewertet und keinen ausreichenden Zusammenhang festgestellt. Kollagenpeptide werden weiter in Studien untersucht, die Datenlage ist aber uneinheitlich. Zugelassen ist dagegen der Claim zu Vitamin C und normaler Kollagenbildung.
Kann ich Kollagenpulver in Kaffee oder Tee einrühren?
Ja, Kollagenhydrolysat ist in kalten und warmen Flüssigkeiten löslich. Viele Kollagenpulver sind geschmacksneutral und lassen sich in Wasser, Kaffee, Tee oder Smoothies einrühren. Beachte immer die Verzehrempfehlung auf dem Etikett und prüfe die Zutatenliste, denn Kollagenpulver sind stets tierische Produkte.
Quellen
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Scientific Opinion zu Kollagenhydrolysat und der Erhaltung der Gelenke (2011) – www.efsa.europa.eu
- Europäische Kommission: EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben; Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – ec.europa.eu
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für Protein und Vitamin C – www.dge.de
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Informationen zu Nahrungsergänzungsmitteln – www.bfr.bund.de
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Informationen zu Nahrungsergänzungsmitteln – ods.od.nih.gov
- Produktangaben Yes Vegan Vitamin C 1.000 mg (Zutaten, Gehalt pro Kapsel, Verzehrempfehlung)
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026 · Yes Vegan Redaktion













