
Kurzantwort
Vitamin C ist ein Cofaktor der Enzyme, die beim Aufbau von Kollagen die Aminosäuren Prolin und Lysin umbauen – ohne diesen Schritt entsteht keine stabile Kollagenfaser. Deshalb ist in der EU der Health Claim „Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei“ zugelassen, ebenso für Blutgefäße, Knochen, Knorpel, Zahnfleisch und Zähne. Der Claim beschreibt eine normale Körperfunktion, kein Anti-Aging-Versprechen; wer seinen Bedarf von 95 mg (Frauen) bzw. 110 mg (Männer) pro Tag laut DGE deckt, ist gut versorgt.
Auf einen Blick
- Kollagen ist das häufigste Strukturprotein des Körpers und kommt in Haut, Knochen, Knorpel, Sehnen, Blutgefäßen und Zähnen vor.
- Vitamin C wird für die Hydroxylierung von Prolin und Lysin benötigt – ein Schlüsselschritt der Kollagenbildung.
- Die EU hat sechs Claims zu Vitamin C und Kollagenbildung zugelassen (Blutgefäße, Knochen, Knorpel, Zahnfleisch, Haut, Zähne).
- DGE-Referenzwerte: 95 mg pro Tag für Frauen, 110 mg für Männer; Raucher:innen 135 mg bzw. 155 mg.
- Paprika, Brokkoli, schwarze Johannisbeeren und Kiwi gehören zu den besonders Vitamin-C-reichen pflanzlichen Lebensmitteln.
Was ist Kollagen?
Kollagen ist ein faserbildendes Strukturprotein und das mengenmäßig häufigste Protein im menschlichen Körper. Es gibt Haut, Sehnen, Knorpel, Knochen und Blutgefäßwänden ihre Zug- und Reißfestigkeit. Man kennt rund 28 verschiedene Kollagentypen, wobei Typ I mit großem Abstand den größten Anteil ausmacht.
Charakteristisch für Kollagen ist seine Aminosäurezusammensetzung: Etwa jede dritte Aminosäure ist Glycin, dazu kommen viel Prolin und das abgewandelte Hydroxyprolin. Drei solcher Proteinketten winden sich zu einer stabilen Dreifachhelix, der sogenannten Tripelhelix. Viele dieser Helices lagern sich anschließend zu Fibrillen und Fasern zusammen.
Der Körper stellt Kollagen selbst her, und zwar aus Aminosäuren, die aus dem Nahrungsprotein stammen. Kollagen muss also nicht zwingend „mitgegessen“ werden. Wie es um veganes Kollagen steht, erklären wir im Artikel Kollagen vegan – gibt es das überhaupt?
Die Rolle von Vitamin C bei der Kollagenbildung
Vitamin C (Ascorbinsäure) ist ein wasserlösliches Vitamin, das der Mensch nicht selbst herstellen kann. Bei der Kollagenbildung wirkt es als Cofaktor für zwei Enzyme: die Prolyl-Hydroxylase und die Lysyl-Hydroxylase. Sie hängen an bestimmte Prolin- und Lysin-Bausteine der noch unfertigen Kollagenkette eine Hydroxylgruppe an.
Dieser Schritt klingt klein, ist aber entscheidend. Erst durch das Hydroxyprolin kann sich die Tripelhelix bei Körpertemperatur stabil ausbilden, und Hydroxylysin ist wichtig für die Quervernetzung der Fasern. Vitamin C hält dabei das Eisen im aktiven Zentrum der Enzyme in der reduzierten, arbeitsfähigen Form.
Wie wichtig dieser Zusammenhang ist, zeigt die Geschichte: Skorbut, die klassische Vitamin-C-Mangelkrankheit früherer Seefahrer, äußerte sich unter anderem durch Zahnfleischbluten und schlecht heilende Wunden – typische Zeichen gestörter Kollagenbildung. Ein so ausgeprägter Mangel ist in Deutschland heute selten.
- Schritt: Zellen wie Fibroblasten bauen aus Aminosäuren eine lange Vorläuferkette (Prokollagen).
- Schritt: Vitamin-C-abhängige Enzyme hydroxylieren Prolin und Lysin in dieser Kette.
- Schritt: Drei Ketten lagern sich zur stabilen Tripelhelix zusammen.
- Schritt: Außerhalb der Zelle werden die Enden abgeschnitten, die Moleküle bilden Fibrillen.
- Schritt: Quervernetzungen verbinden die Fibrillen zu belastbaren Fasern.
Der zugelassene Claim im Wortlaut
Ein Health Claim ist eine gesundheitsbezogene Angabe, die in der EU nur verwendet werden darf, wenn sie nach der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 geprüft und zugelassen wurde. Die zugelassenen Angaben für Vitamine und Mineralstoffe stehen in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 und im öffentlichen EU-Register. Grundlage ist jeweils eine wissenschaftliche Bewertung der EFSA.
Für Vitamin C und Kollagen gibt es sechs Varianten. Sie unterscheiden sich nur im Gewebe, für dessen normale Funktion die Kollagenbildung genannt wird:
| Zugelassener Wortlaut | Gewebe |
|---|---|
| Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Blutgefäße bei. | Blutgefäße |
| Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Knochen bei. | Knochen |
| Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Knorpel bei. | Knorpel |
| Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion des Zahnfleisches bei. | Zahnfleisch |
| Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei. | Haut |
| Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Zähne bei. | Zähne |
Quelle: EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben, Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Ein Lebensmittel darf den Claim nur tragen, wenn es mindestens eine „Quelle“ für Vitamin C ist, also mindestens 15 % des Nährstoffbezugswerts (NRV von 80 mg) liefert.
Neben diesen sechs Varianten gibt es weitere zugelassene Vitamin-C-Claims, etwa „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“, „Vitamin C trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei“, „Vitamin C trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen“ und „Vitamin C erhöht die Eisenaufnahme“. Einen Überblick über alle Funktionen findest du in unserem Beitrag Vitamin C: Funktionen, Lebensmittel, Supplementierung.
Was der Claim nicht bedeutet
Das Wort „normal“ ist der Kern des Claims. Er sagt: Vitamin C wird für eine normale Kollagenbildung gebraucht, und eine normale Kollagenbildung ist Teil der normalen Hautfunktion. Er sagt nicht, dass mehr Vitamin C zu mehr Kollagen, glatterer Haut oder weniger Falten führt.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil im Internet häufig Formulierungen auftauchen, die über den zugelassenen Wortlaut hinausgehen. Versprechen wie eine straffende oder faltenglättende Wirkung sind keine zugelassenen Angaben. Sie versprechen eine Wirkung, die über die Bedarfsdeckung hinausgeht und für die es keinen geprüften Nachweis im Sinne der EU-Regeln gibt.
Gut zu wissen: Ist dein Bedarf gedeckt, laufen die Vitamin-C-abhängigen Enzyme normal. Zusätzliche Mengen über den Bedarf hinaus „beschleunigen“ die Kollagenbildung nach heutigem Wissen nicht. Der Claim ist deshalb vor allem eine Erinnerung daran, die Versorgung im Blick zu behalten.
Auch Kollagenpräparate selbst haben übrigens keinen zugelassenen Health Claim. Die EFSA hat einen beantragten Claim zu Kollagenhydrolysat und Gelenken 2011 bewertet und keinen ausreichenden Ursache-Wirkungs-Zusammenhang gesehen. Viele Kollagenprodukte nennen deshalb auf dem Etikett Vitamin C – weil dessen Claim zugelassen ist.
Bedarf und Referenzwerte
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Referenzwerte für Vitamin C 2015 aktualisiert. Sie gelten gemeinsam für Deutschland, Österreich und die Schweiz (D-A-CH).
95 mg
Frauen pro Tag (DGE)
110 mg
Männer pro Tag (DGE)
80 mg
Nährstoffbezugswert (NRV) auf Etiketten
Raucher:innen haben einen um etwa 40 % höheren Umsatz an Vitamin C. Die DGE empfiehlt ihnen deshalb 135 mg (Frauen) bzw. 155 mg (Männer) pro Tag. Schwangere sollen ab dem vierten Monat 105 mg aufnehmen, Stillende 125 mg.
Zur Obergrenze: Ein offizieller Höchstwert für die tägliche Zufuhr wurde von der EFSA nicht festgelegt. Laut DGE sind bis etwa 1 g Vitamin C pro Tag zusätzlich zur Nahrung als unbedenklich anzusehen; ab etwa 3–4 g pro Tag können vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall auftreten. Menschen mit Nierenerkrankungen, Neigung zu Nierensteinen oder Eisenspeicherstörungen sollten höhere Mengen vorher ärztlich abklären.
Laut NIH Office of Dietary Supplements werden bei üblichen Zufuhrmengen von 30–180 mg pro Tag etwa 70–90 % des Vitamin C aufgenommen; bei Zufuhrmengen über 1 g pro Tag sinkt die Aufnahmerate auf unter 50 %, der Überschuss wird über die Nieren ausgeschieden.
Vitamin C im Alltag: Lebensmittel und Zubereitung
Mit einer pflanzenbetonten Ernährung ist die Versorgung mit Vitamin C meist gut erreichbar, denn die wichtigsten Quellen sind Gemüse und Obst. Die folgende Tabelle zeigt gerundete Durchschnittswerte für rohe Lebensmittel; tatsächliche Gehalte schwanken je nach Sorte, Reife und Lagerung.
| Lebensmittel (roh) | Vitamin C pro 100 g (ca.) | Alltagstipp |
|---|---|---|
| Schwarze Johannisbeeren | ca. 180 mg | Tiefgekühlt im Porridge |
| Rote Paprika | ca. 125 mg | Roh als Snack oder im Salat |
| Kiwi (grün) | ca. 90 mg | Zum Frühstück |
| Brokkoli | ca. 90 mg | Kurz dämpfen statt lange kochen |
| Rosenkohl | ca. 85 mg | Im Ofen rösten |
| Erdbeeren | ca. 60 mg | Saisonal frisch genießen |
| Orange | ca. 50 mg | Ganz essen statt Saft |
Gerundete Durchschnittswerte für rohe Lebensmittel nach gängigen Nährwertdatenbanken (z. B. USDA FoodData Central). Werte schwanken natürlich.
Vitamin C ist hitze-, licht- und sauerstoffempfindlich und löst sich in Kochwasser. Kurzes Dämpfen, wenig Wasser, frisches Schneiden kurz vor dem Essen und kurze Lagerzeiten helfen, möglichst viel davon zu erhalten. Ein Teil deiner täglichen Gemüseportion roh zu essen, ist eine einfache Strategie.
Ein praktischer Nebeneffekt für die pflanzliche Küche: Vitamin C erhöht die Eisenaufnahme. Eine Paprika zum Linsensalat oder Beeren zum Haferbrei sind deshalb doppelt sinnvoll. Mehr dazu liest du in unserem Ratgeber Eisen für Veganer.
Wer im Alltag wenig Gemüse und Obst schafft, raucht oder einfach eine feste Routine bevorzugt, kann Vitamin C ergänzen. Rechne dabei alle Quellen zusammen, auch Multivitaminpräparate und angereicherte Getränke.

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Mythen und Fakten
Mythos: Je mehr Vitamin C, desto mehr Kollagen.
Fakt: Vitamin C ist ein Cofaktor. Ist der Bedarf gedeckt, laufen die Enzyme normal; ein „Mehr“ über den Bedarf hinaus ist für die Kollagenbildung nicht belegt.
Mythos: Vitamin C ist ein Anti-Falten-Vitamin.
Fakt: Zugelassen ist nur die Aussage zur normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut. Hautalterung hängt stark von UV-Strahlung, Rauchen, Genetik und Lebensstil ab.
Mythos: Natürliches Vitamin C aus Acerola ist chemisch etwas anderes als Ascorbinsäure.
Fakt: Das Vitamin-C-Molekül ist in beiden Fällen L-Ascorbinsäure. Unterschiede liegen in Begleitstoffen, Dosierbarkeit und Geschmack.
Mythos: Wer Kollagen einnimmt, braucht kein Vitamin C.
Fakt: Aufgenommenes Kollagen wird verdaut und in Aminosäuren und Peptide zerlegt. Für die körpereigene Kollagenbildung braucht es weiterhin Vitamin C.
Wenn du dich für das Zusammenspiel von Nährstoffen und Bindegewebe interessierst, lies auch unseren Beitrag rund ums Bindegewebe.
Häufige Fragen
Warum braucht der Körper Vitamin C für Kollagen?
Vitamin C ist Cofaktor der Enzyme Prolyl- und Lysyl-Hydroxylase. Sie wandeln Prolin und Lysin in der Kollagen-Vorläuferkette in Hydroxyprolin und Hydroxylysin um. Erst dadurch kann sich die typische Tripelhelix stabil ausbilden und die Fasern können sich quervernetzen. Deshalb ist der Claim zugelassen, dass Vitamin C zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut, Knochen, Knorpel, Blutgefäße, Zähne und des Zahnfleisches beiträgt.
Wie lautet der zugelassene Health Claim genau?
Der Wortlaut ist: „Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei.“ Analog gibt es Varianten für Blutgefäße, Knochen, Knorpel, Zahnfleisch und Zähne. Der Claim steht in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 und darf nur genutzt werden, wenn ein Lebensmittel mindestens 15 % des Nährstoffbezugswerts von 80 mg liefert, also mindestens 12 mg pro Portion oder 100 g.
Wie viel Vitamin C brauche ich pro Tag?
Die DGE empfiehlt Frauen 95 mg und Männern 110 mg pro Tag. Raucher:innen haben einen höheren Umsatz und sollten 135 mg bzw. 155 mg aufnehmen. Für Schwangere ab dem vierten Monat gelten 105 mg, für Stillende 125 mg. Eine rote Paprika oder eine Portion Brokkoli deckt bereits einen großen Teil dieses Bedarfs.
Sind 1.000 mg Vitamin C pro Tag zu viel?
Laut DGE sind bis etwa 1 g Vitamin C pro Tag zusätzlich zur Nahrung als unbedenklich einzustufen. Ab etwa 3–4 g täglich können vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Bei höheren Einzelmengen sinkt zudem die Aufnahmerate. Für Nahrungsergänzungsmittel schlägt das BfR eine Höchstmenge von 250 mg pro Tagesdosis vor; 1.000 mg liegen darüber. Wer eine Nierenerkrankung, eine Neigung zu Nierensteinen oder eine Eisenspeicherstörung hat, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
Ist veganes Kollagen dasselbe wie Vitamin C?
Nein. Kollagen ist ein Protein, das in der Natur nur in tierischem Gewebe vorkommt. Produkte mit der Bezeichnung „Vegan Collagen“ enthalten in der Regel kein Kollagen, sondern Aminosäuren wie Glycin, Prolin oder Lysin sowie Vitamine wie Vitamin C. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt dir, was wirklich enthalten ist.
Wann sollte ich Vitamin C einnehmen?
Einen festen „besten“ Zeitpunkt gibt es nicht. Praktisch ist eine Einnahme zu einer Mahlzeit oder davor, besonders zu einer eisenhaltigen pflanzlichen Mahlzeit, weil Vitamin C die Eisenaufnahme erhöht. Wichtiger als die Uhrzeit ist, dass die Einnahme in deine Routine passt und du die Verzehrempfehlung nicht überschreitest.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für Vitamin C (2015) und FAQ Vitamin C – www.dge.de
- Europäische Kommission: EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben; Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – ec.europa.eu
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Wissenschaftliche Gutachten zu Vitamin C und zu Kollagenhydrolysat (2011) – www.efsa.europa.eu
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Vitamin C Fact Sheet for Health Professionals – ods.od.nih.gov
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Informationen zu Vitamin C – www.bfr.bund.de
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026 · Yes Vegan Redaktion













