
Titelbild: KI-generiert, Darstellung beispielhaft.
Kurzantwort
Mikronährstoffe sind Nährstoffe, die dein Körper nur in kleinen Mengen braucht und die keine Energie liefern: vor allem die 13 Vitamine sowie Mineralstoffe und Spurenelemente wie Calcium, Magnesium, Eisen, Zink, Jod und Selen. Im weiteren Sinn werden oft auch sekundäre Pflanzenstoffe und essenzielle Fettsäuren dazugezählt. Deine Versorgung schätzt du am besten in drei Schritten ein: Ernährung ehrlich anschauen, persönliche Risikofaktoren prüfen und gezielt einzelne Blutwerte bestimmen lassen.
Auf einen Blick
- Makronährstoffe brauchst du in Gramm, Mikronährstoffe in Milli- oder Mikrogramm.
- Zu den Mikronährstoffen zählen 13 Vitamine, 7 Mengenelemente und eine Reihe von Spurenelementen.
- Bei veganer Ernährung stehen vor allem B12, Vitamin D, Jod, Eisen, Zink, Calcium und Selen im Fokus.
- Nicht jeder Blutwert ist aussagekräftig. Für Zink und Magnesium im Serum gilt das nur eingeschränkt.
- „Mikronährstoffkonzentrat“ ist kein geschützter Begriff. Entscheidend ist, was pro Tagesdosis drinsteckt.
Neulich beim Frühstück fragte mich eine Freundin, während sie ihren Haferbrei umrührte: „Was sind eigentlich Mikronährstoffe? Alle reden davon, aber ich weiß nur, dass ich angeblich zu wenig davon habe.“ Gute Frage. Das Wort klingt nach Labor und Fachbuch, ist aber eigentlich ganz einfach zu erklären.
In diesem Artikel klären wir, was zu den Mikronährstoffen gehört, wie sie sich von Makronährstoffen unterscheiden und wie viel du davon brauchst. Vor allem aber zeigen wir dir, wie du deine eigene Versorgung realistisch einschätzt, ohne gleich ein teures Komplettprofil im Labor zu bestellen.
Was sind Mikronährstoffe?
Mikronährstoffe sind Stoffe, die der Körper für unzählige Stoffwechselprozesse braucht, aber nicht selbst herstellen kann, zumindest nicht in ausreichender Menge. Sie liefern keine Kalorien, sondern sind sozusagen das Werkzeug, mit dem der Körper arbeitet. Im engeren Sinn gehören zwei große Gruppen dazu:
- Vitamine: 13 organische Verbindungen, aufgeteilt in fettlösliche (A, D, E, K) und wasserlösliche (C und acht B-Vitamine).
- Mineralstoffe: anorganische Elemente. Sie werden unterteilt in Mengenelemente, von denen der Körper mehr als 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht enthält, und Spurenelemente, von denen er weniger enthält.
Zu den Mengenelementen gehören Calcium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Kalium, Chlorid und Schwefel. Zu den wichtigsten Spurenelementen zählen Eisen, Zink, Jod, Selen, Kupfer, Mangan, Fluorid, Chrom und Molybdän.
Im erweiterten Sinn werden oft noch zwei weitere Gruppen zu den Mikronährstoffen gezählt: sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole, Carotinoide oder Flavonoide und essenzielle Fettsäuren wie Omega-3. Streng genommen gehören Fettsäuren zum Makronährstoff Fett, und sekundäre Pflanzenstoffe sind nicht lebensnotwendig im klassischen Sinn. Für sie gibt es auch keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.
Makronährstoffe und Mikronährstoffe: Wo ist der Unterschied?
Der Unterschied liegt vor allem in der Menge und in der Aufgabe. Makronährstoffe, also Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß, liefern Energie und Baumaterial. Davon brauchst du täglich zig Gramm. Mikronährstoffe liefern keine Energie, steuern aber, was mit dieser Energie passiert.
| Makronährstoffe | Mikronährstoffe | |
|---|---|---|
| Beispiele | Kohlenhydrate, Fett, Eiweiß | Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente |
| Einheit | Gramm (g) | Milligramm (mg) und Mikrogramm (µg) |
| Energie | Ja (Kalorien) | Nein |
| Hauptaufgabe | Energie und Baustoffe | Regulation, Enzymfunktionen, Bestandteil von Hormonen und Strukturen |
Ein kleines Rechenbeispiel zeigt, wie unterschiedlich die Größenordnungen sind: Eine Frau mit 60 kg braucht laut DGE rund 48 g Eiweiß am Tag (0,8 g pro Kilogramm). Ihr Schätzwert für Vitamin B12 liegt bei 4 µg. Das Eiweiß ist damit zwölf Millionen Mal mehr. Und trotzdem kann ein Mangel an diesen winzigen 4 µg auf Dauer ernste Folgen haben.
Wie viel Vitamine und Mineralstoffe brauchst du?
Für fast alle Mikronährstoffe gibt es Referenzwerte der DGE, die gemeinsam mit den Fachgesellschaften aus Österreich und der Schweiz abgeleitet werden. Sie sind so angelegt, dass sie den Bedarf von nahezu allen gesunden Menschen einer Altersgruppe decken. Auf Etiketten findest du dagegen den NRV, den Nährstoffbezugswert der EU. Er ist eine einheitliche Kennzeichnungsgröße und nicht identisch mit den DGE-Werten.
Hier eine Auswahl für Erwachsene, mit Blick auf vegane Ernährung:
| Mikronährstoff | DGE-Referenzwert Erwachsene | Gute vegane Quellen | Vegan im Blick? |
|---|---|---|---|
| Vitamin B12 | 4 µg | Nur angereicherte Lebensmittel und Präparate | Ja, immer ergänzen |
| Vitamin D | 20 µg (ohne Eigensynthese) | Vor allem Sonne, kaum Lebensmittel | Ja, besonders im Winter |
| Jod | 150 µg | Jodsalz, damit hergestellte Lebensmittel | Ja |
| Eisen | Männer 11 mg, Frauen 16 mg (nach den Wechseljahren 14 mg) | Hülsenfrüchte, Hafer, Kürbiskerne, Tofu | Ja |
| Zink | Frauen 7 bis 10 mg, Männer 11 bis 16 mg (je nach Phytatzufuhr) | Hafer, Kürbiskerne, Cashews, Hülsenfrüchte | Ja |
| Calcium | 1.000 mg | Calciumreiches Mineralwasser, angereicherte Pflanzendrinks, Grünkohl | Ja |
| Magnesium | Frauen 300 mg, Männer 350 mg | Vollkorn, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte | Meist gut versorgt |
Einen ausführlichen Überblick über alle Nährstoffe, die bei pflanzlicher Ernährung Aufmerksamkeit verdienen, findest du in Vegane Nährstoffversorgung.
So schätzt du deine Versorgung in drei Schritten ein
Schritt 1: Ernährung ehrlich anschauen. Notiere drei typische Tage, idealerweise zwei Werktage und einen Wochenendtag, in einer Ernährungs-App. Das ist nicht perfekt, zeigt aber Muster: Isst du täglich Hülsenfrüchte? Kommt Jodsalz in der Küche vor? Gibt es Nüsse und Vollkorn, oder vor allem Weißmehl? Allein dieser Schritt beantwortet oft schon die halbe Frage.
Schritt 2: Risikofaktoren prüfen. Manche Lebenssituationen erhöhen den Bedarf oder verschlechtern die Aufnahme:
- vegane oder sehr einseitige Ernährung
- Schwangerschaft, Stillzeit oder Kinderwunsch
- starke Menstruation
- höheres Alter
- regelmäßige Medikamente, etwa Magensäureblocker oder Metformin, die die B12-Aufnahme beeinflussen können
- chronische Darmerkrankungen
- wenig Zeit im Freien, vor allem im Winter
Schritt 3: Gezielt messen. Wenn Schritt 1 und 2 Fragezeichen hinterlassen, kommen Blutwerte ins Spiel. Aber nicht alle auf einmal, sondern die, die wirklich etwas aussagen. Welche das sind, klären wir im nächsten Abschnitt.
Welche Blutwerte sind wirklich aussagekräftig?
Ein „großes Mikronährstoffprofil“ klingt verlockend, ist aber oft teuer und nicht immer hilfreich. Manche Werte spiegeln den Speicher im Körper gut wider, andere kaum. Hier die wichtigsten im Überblick:
| Nährstoff | Sinnvoller Wert | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Vitamin B12 | Holo-Transcobalamin (Holo-TC), ggf. Methylmalonsäure (MMA) | Das klassische Serum-B12 zeigt einen Mangel oft erst spät |
| Eisen | Ferritin, dazu ein Entzündungswert (CRP) | Ferritin steigt bei Entzündungen, das kann einen Mangel überdecken |
| Vitamin D | 25-OH-Vitamin-D | Saisonal schwankend, im Spätwinter am niedrigsten |
| Jod | Jod im Urin | Eher für Bevölkerungsstudien geeignet, einzeln schwer zu deuten |
| Zink, Magnesium | Serumwerte | Nur eingeschränkt aussagekräftig, da der Körper den Blutspiegel lange konstant hält |
Welche Werte je nach Lebenssituation sinnvoll sind, erklären wir ausführlich in Vegane Blutwerte. Und warum Holo-TC beim B12 oft die bessere Wahl ist, liest du in Holo-TC oder Serum-B12.
Mikronährstoffkonzentrat: Was steckt dahinter?
Der Begriff Mikronährstoffkonzentrat begegnet dir in Apotheken, Arztpraxen und Onlineshops. Rechtlich ist er nicht definiert. Dahinter können Trinkfläschchen mit Vitaminen und Mineralstoffen stecken, Pulver aus Obst- und Gemüsekonzentraten oder klassische Kapseln. Lebensmittelrechtlich sind das in aller Regel Nahrungsergänzungsmittel, und für sie gelten dieselben Regeln wie für jedes andere Präparat.
Bevor du kaufst, lohnen sich diese Fragen:
- Was steckt pro Tagesdosis drin? Nicht pro 100 g, sondern pro empfohlener Tagesmenge, mit Angabe in % NRV.
- Brauche ich das alles? Ein Präparat mit 25 Inhaltsstoffen deckt oft Nährstoffe ab, die du längst über das Essen bekommst.
- Was wird versprochen? Für sekundäre Pflanzenstoffe und Obstpulver gibt es keine zugelassenen Health Claims. Große Versprechen sollten dich skeptisch machen.
- Was nehme ich sonst noch? Kombinationen mehrerer Präparate führen schnell zu Doppelungen. Eine ehrliche Anleitung zum Aussortieren gibt es in Wie viele Supplements sind zu viele?
Ein ehrliches Wort zum Schluss dieses Abschnitts: Mehr Mikronährstoffe bedeuten nicht automatisch mehr Gesundheit. Ist der Bedarf gedeckt, bringt ein Zuviel keinen zusätzlichen Nutzen. Bei einigen Stoffen kann es sogar schaden.
Wenn du dir den Alltag vereinfachen möchtest, gibt es zwei unterschiedliche Ansätze: ein gezieltes Produkt für die vegan-kritischen Nährstoffe oder ein breites Multivitamin wie unser Trinkpulver Daily Vitamins mit allen 13 Vitaminen, Magnesium, Zink und Selen, das wegen Vitamin A nicht für Schwangere und Kinder geeignet ist.
Passend zum Thema: Vegan Complete
Vegan Complete ist ein veganes Multivitamin mit 12 Nährstoffen in einer Kapsel, darunter 500 µg Vitamin B12, 25 µg Vitamin D3, 150 µg Vitamin K2, 150 µg Jod, 150 µg Selen, 400 µg Folsäure, 5 mg Eisen, 200 mg Calcium und 100 mg Cholin sowie Vitamin A, B2 und B6. Es enthält bewusst nicht alle 13 Vitamine und kein Zink oder Magnesium, sondern setzt auf Nährstoffe, die bei pflanzlicher Ernährung kritisch sein können. Jod trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei. 1 Kapsel täglich, eine Dose reicht rund 120 Tage.
Häufige Fragen
Was gehört alles zu den Mikronährstoffen?
Im engeren Sinn die 13 Vitamine sowie Mineralstoffe, also Mengenelemente wie Calcium und Magnesium und Spurenelemente wie Eisen, Zink, Jod und Selen. Im weiteren Sinn werden oft sekundäre Pflanzenstoffe und essenzielle Fettsäuren dazugezählt.
Was ist der Unterschied zwischen Vitaminen und Mineralstoffen?
Vitamine sind organische Verbindungen, die von Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen gebildet werden. Mineralstoffe sind anorganische Elemente, die aus Boden und Wasser stammen und über Pflanzen in die Nahrungskette gelangen.
Kann ich meinen Mikronährstoffstatus mit einem Bluttest prüfen?
Teilweise. Für Vitamin B12 (Holo-TC), Eisen (Ferritin) und Vitamin D (25-OH-D) gibt es aussagekräftige Werte. Bei Zink und Magnesium ist der Serumwert nur bedingt aussagekräftig. Sprich am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber, welche Werte in deiner Situation sinnvoll sind.
Brauche ich als Veganer:in ein Mikronährstoffpräparat?
Vitamin B12 musst du bei veganer Ernährung immer ergänzen. Ob du darüber hinaus etwas brauchst, hängt von deinem Speiseplan, deiner Lebensphase und gegebenenfalls deinen Blutwerten ab. Einen evidenzbasierten Überblick gibt es in Welche Supplements brauchen Veganer:innen wirklich?
Sind Mikronährstoffe aus Lebensmitteln besser als aus Präparaten?
Lebensmittel liefern immer ein Gesamtpaket mit Ballaststoffen, Eiweiß und sekundären Pflanzenstoffen. Präparate sind sinnvoll, um gezielt Lücken zu schließen, etwa bei B12. Sie ersetzen aber keinen abwechslungsreichen Speiseplan.
Unterm Strich
Mikronährstoffe sind die kleinen Rädchen, die das große Getriebe am Laufen halten. Die gute Nachricht: Mit einer bunten, vollwertigen Pflanzenkost bekommst du die meisten davon ganz nebenbei. Bei veganer Ernährung gibt es ein paar feste Kandidaten, die du kennen solltest, allen voran B12.
Mein Tipp: Fang nicht mit dem teuersten Labortest an, sondern mit drei ehrlich protokollierten Tagen. Danach weißt du meist ziemlich genau, wo du stehst und welche Frage du deiner Ärztin stellen möchtest.
Quellen
- DGE: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr
- DGE: Referenzwerte für Vitamin B12
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV), Anhang XIII: Nährstoffbezugswerte
- Verbraucherzentrale: Mikronährstoffe – ab wann ist es zu viel?
- Europäische Kommission: EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben
- Klug A. et al. (2024): Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung. Ernährungs Umschau 71(7).
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.













