
Titelbild: KI-generiert, Darstellung beispielhaft.
Kurzantwort
Löwenzahnwurzel ist die getrocknete Pfahlwurzel von Taraxacum officinale und schmeckt vor allem bitter. Sie enthält Bitterstoffe aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone, Triterpene, Phenolsäuren und je nach Erntezeit etwa 2 % (Frühjahr) bis 40 % (Herbst) Inulin. Verwendet wird sie als Tee, geröstet als Kaffee-Alternative, als Pulver in Kapseln oder als Löwenzahnwurzelextrakt. Klinische Studien am Menschen gibt es kaum, die Verwendung ist vor allem traditionell, und zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen gibt es für Löwenzahn nicht.
Auf einen Blick
- Wurzel und Blätter sind verschieden: Die Wurzel speichert Inulin und Bitterstoffe, die Blätter sind reich an Kalium.
- Die EMA nennt für Tee 1 bis 5 g Wurzel auf 150 ml Wasser, zwei- bis dreimal täglich.
- Pulver in Kapseln enthält die ganze Wurzel, ein Extrakt nur das, was das Lösungsmittel herausgelöst hat.
- Humanstudien fehlen weitgehend. Die EMA stuft Löwenzahn als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein, nicht auf Basis von Wirksamkeitsstudien.
- Vorsicht bei Korbblütler-Allergie, Gallenwegserkrankungen, für Kinder unter 12 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit.
Der Löwenzahn ist die Pflanze, die du vermutlich schon als Kind gepustet hast, die im Garten nie verschwindet und die trotzdem keiner so richtig ernst nimmt. Dabei steckt unter der Erde ein ziemlich spannender Teil: die Löwenzahnwurzel. Sie ist lang, kräftig und ein bisschen störrisch beim Ausgraben. Wer mal versucht hat, eine komplett aus dem Rasen zu ziehen, weiß, wovon ich rede.
Seit Jahrhunderten gehört sie zur europäischen Kräuterküche. Hier erfährst du, was wirklich drin ist, wie man sie verwendet, was ein Löwenzahnwurzelextrakt ist und worin sich Tee und Kapseln unterscheiden. Ehrlich, ohne Wundermärchen.
Was ist Löwenzahnwurzel eigentlich?
Gemeint ist die Pfahlwurzel des Gemeinen Löwenzahns (Taraxacum officinale), einer Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Die Wurzel wird ausgegraben, gewaschen, geschnitten und getrocknet. Danach landet sie als Tee, als Pulver oder geröstet als Kaffee-Alternative in der Tasse.
Spannend: Wurzel und Blätter sind nicht dasselbe. Die Blätter sind reich an Kalium, die Wurzel ist der Ort, an dem die Pflanze über den Sommer Inulin einlagert, einen Speicher-Ballaststoff. Deshalb kommt es bei der Wurzel tatsächlich auf den Erntezeitpunkt an.
Welche Inhaltsstoffe stecken in der Löwenzahnwurzel?
Der Bewertungsbericht der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) fasst die wichtigsten Stoffgruppen zusammen. Die folgende Übersicht zeigt, was du über die einzelnen Gruppen wissen solltest:
| Stoffgruppe | Beispiele | Was du wissen solltest |
|---|---|---|
| Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone) | Taraxinsäure-Glucosid, 11,13-Dihydrolactucin, Ixerin D | Verantwortlich für den typisch bitteren Geschmack, vor allem das Taraxinsäure-Glucosid. |
| Inulin | Fruktan-Ballaststoff | Schwankt stark: rund 2 % im Frühjahr, bis zu 40 % im Herbst. |
| Triterpene und Sterole | Taraxasterol, β-Amyrin, β-Sitosterol | Wurden vor allem im Labor untersucht, Daten beim Menschen fehlen weitgehend. |
| Phenolische Säuren | Kaffeesäure, Chlorogensäure, Chicorsäure | Typische Pflanzenstoffe, die auch in Kaffee oder Chicorée vorkommen. |
Die Bitterstoffe sind übrigens der Grund, warum Löwenzahn mit Radicchio, Chicorée und Artischocke in einer Liga spielt. Wenn du mehr Bitteres auf den Teller bringen willst, schau gern in unseren Beitrag über bitteres Gemüse in der Küche.
Was sagt die Wissenschaft zur Löwenzahnwurzel?
Hier wird es ehrlich. Die EMA hat in ihrem Bewertungsbericht ausdrücklich festgehalten, dass sie keine klinischen Wirksamkeitsstudien am Menschen gefunden hat. Auch eine große Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 stützt sich fast ausschließlich auf Labor- und Tierversuche und betont, dass weitere Forschung nötig ist.
Die EMA führt die Wurzel trotzdem als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Diese Einstufung beruht nicht auf Studien, sondern allein darauf, dass die Pflanze seit Jahrzehnten in Europa verwendet wird („traditional use“). Für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben zu Löwenzahn. Wenn dir also jemand erzählt, die Wurzel „entschlackt“ oder „reinigt“, darfst du freundlich die Augenbraue heben. Das ist nicht belegt.
Was man sagen kann: Löwenzahn ist eine traditionsreiche Bitterpflanze, die gut erforscht ist, was ihre Inhaltsstoffe angeht, und wenig erforscht, was ihre Effekte im Menschen angeht. Wie Bitterstoffe ganz allgemein eingeordnet werden und welche Aussagen rechtlich überhaupt erlaubt sind, liest du in unserem Artikel zu Bitterstoffen, Tradition und EU-Claims.
Wie wird Löwenzahnwurzel verwendet?
Klassisch gibt es drei Wege, und alle haben ihren eigenen Charme:
- Als Tee (Abkochung): Die geschnittene Wurzel wird mit Wasser aufgekocht und einige Minuten gezogen. Die EMA-Monographie nennt für Erwachsene 1 bis 5 g Wurzel auf 150 ml Wasser, zwei- bis dreimal täglich.
- Geröstet als „Löwenzahnkaffee“: Die geröstete Wurzel schmeckt nussig-herb und erinnert ein bisschen an Zichorienkaffee. Koffein enthält sie nicht.
- Als Pulver in Kapseln: Die getrocknete Wurzel wird fein vermahlen und abgefüllt, oft zusammen mit anderen Bitterpflanzen.
Ein kleiner Gartentipp am Rande: Wer selbst sammeln will, sollte Wiesen abseits von Straßen, Hundewegen und gespritzten Flächen wählen. Und den Löwenzahn sicher bestimmen können, denn ein paar Doppelgänger gibt es.
Löwenzahnwurzelextrakt und Löwenzahn Kur: Was steckt dahinter?
Neben Tee und Pulver begegnet dir im Handel oft der Begriff Löwenzahnwurzelextrakt. Ein Extrakt entsteht, indem die getrocknete Wurzel mit einem Lösungsmittel wie Wasser oder einem Wasser-Alkohol-Gemisch ausgezogen und das Ergebnis anschließend eingeengt oder getrocknet wird. Dadurch landen bestimmte Inhaltsstoffe konzentrierter im Produkt, andere bleiben zurück.
Auf Etiketten steht dann häufig ein Verhältnis wie „4:1“. Das bedeutet: Aus 4 g Wurzel wurde 1 g Extrakt gewonnen. Klingt nach „viermal so stark“, ist aber nur die halbe Wahrheit, denn welche Stoffe angereichert wurden, hängt vom Lösungsmittel ab. Ein kleines Rechenbeispiel: 250 mg eines 4:1-Extrakts entsprechen rechnerisch 1 g Ausgangswurzel. Zum Vergleich nennt die EMA für eine Tasse Tee 1 bis 5 g Wurzel. Vergleichen lassen sich Extrakt, Pulver und Tee deshalb nur grob.
Und die Löwenzahn Kur? Gemeint ist meist, über einige Wochen im Frühjahr regelmäßig Löwenzahntee zu trinken oder junge Blätter im Salat zu essen. Das ist eine schöne saisonale Tradition. Versprechen wie „Frühjahrsputz für den Körper“ oder „reinigt die Leber“ sind aber nicht belegt und für Lebensmittel auch nicht erlaubt. Wenn dich der Gedanke an Routinen statt Kuren interessiert: Bitteres lässt sich ganz entspannt ins ganze Jahr einbauen, siehe Bitterstoffe vor dem Essen.
Löwenzahn Tee oder Löwenzahnwurzel Kapseln: Was passt zu dir?
Beides hat Vor- und Nachteile. Die Frage ist weniger „was ist besser“, sondern eher „was machst du wirklich regelmäßig“.
| Löwenzahn Tee | Kapseln mit Wurzelpulver | |
|---|---|---|
| Geschmack | Deutlich bitter, erdig. Du schmeckst, was du trinkst. | Neutral, der Bittergeschmack kommt kaum an. |
| Aufwand | Abkochen, ziehen lassen, ca. 10 Minuten | Mit einem Glas Wasser in Sekunden erledigt |
| Dosierung | Schwankt je nach Menge, Kochzeit und Teequalität | Feste Menge pro Kapsel, gut planbar |
| Inhaltsstoffe | Wasserlösliche Bestandteile gehen ins Wasser über, der Rest bleibt im Sieb | Die ganze gemahlene Wurzel wird aufgenommen |
| Unterwegs | Eher unpraktisch | Passt in jede Tasche |
| Ritual-Faktor | Hoch, warme Tasse, kurze Pause | Eher funktional |
Ein Punkt, der oft untergeht: Bitterstoffe werden traditionell gerade wegen ihres Geschmacks geschätzt. Wer das bewusst erleben will, greift zum Tee. Wer den bitteren Geschmack nicht mag und lieber eine feste Routine hat, ist mit Kapseln meist entspannter unterwegs. Wann man Bitteres traditionell zu sich nimmt, haben wir im Beitrag Bitterstoffe vor dem Essen zusammengetragen.
Wer sollte bei Löwenzahnwurzel vorsichtig sein?
Auch eine Wiesenpflanze ist nicht für jeden gemacht. Die EMA nennt in ihrer Monographie folgende Punkte:
- Allergie gegen Korbblütler: Wer auf Kamille, Arnika, Beifuß oder Ringelblume reagiert, sollte Löwenzahn meiden.
- Gallenwege und Leber: Bei Verschluss der Gallenwege, Gallensteinen, Gallenwegsentzündung oder Lebererkrankungen wird von der Anwendung abgeraten.
- Kinder unter 12 Jahren: Die Anwendung wird nicht empfohlen, weil Daten fehlen.
- Eingeschränkte Trinkmenge: Wenn dir ärztlich geraten wurde, wenig zu trinken, ist Löwenzahn nicht das Richtige.
Wenn du Medikamente nimmst, schwanger bist oder stillst, sprich vorher kurz mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke. Das kostet fünf Minuten und gibt dir Sicherheit.
Wo steckt Löwenzahn in unseren Produkten?
Bei uns findest du Löwenzahn an zwei Stellen, jeweils als Zutat in einer Mischung:
- Bitter Superfoods: 11 bittere Zutaten, darunter 8 % bitteres Löwenzahnwurzelpulver. 180 vegane Kapseln, 2 täglich vor dem Essen, das reicht für 90 Tage.
- Leber Forte: Hier ist Löwenzahnblatt dabei, neben Mariendistel, Artischocke, Desmodium und 100 mg Cholin pro Tagesportion. Cholin trägt zur Erhaltung einer normalen Leberfunktion bei.
Für den Löwenzahn selbst machen wir keine Wirkversprechen. Das wäre weder ehrlich noch erlaubt. Er ist drin, weil er zu einer Bittermischung einfach dazugehört. Übrigens steckt in Bitter Superfoods neben Löwenzahn auch Schafgarbenkraut, ein weiteres klassisches Bitterkraut, das wir in Schafgarbe: das unterschätzte Bitterkraut vorstellen.
Passend zum Thema: Bitter Superfoods
Löwenzahnwurzel Kapseln im engeren Sinn sind das nicht: Bitteres Löwenzahnwurzelpulver macht 8 % der Rezeptur aus, dazu kommen 10 weitere Pflanzenpulver wie Galgant, Schafgarbe, Ingwer und Wermut. Täglich 2 vegane Kapseln vor einer Mahlzeit, 180 Kapseln reichen 90 Tage. Wirkaussagen für die Pflanzen machen wir keine.
Häufige Fragen
Wann wird Löwenzahnwurzel geerntet?
Traditionell im Herbst oder im zeitigen Frühjahr. Im Herbst ist der Inulingehalt mit bis zu 40 % am höchsten, im Frühjahr liegt er bei etwa 2 %.
Schmeckt Löwenzahn Tee wirklich so bitter?
Ja, ziemlich. Ein Schuss Zitrone, etwas Pfefferminze oder Ingwer machen ihn zugänglicher. Geröstete Wurzel schmeckt milder und nussiger.
Kann ich Löwenzahn aus dem Garten selbst verwenden?
Grundsätzlich ja, wenn du die Pflanze sicher erkennst und die Fläche unbelastet ist. Wurzel gründlich waschen, klein schneiden und gut durchtrocknen lassen, sonst schimmelt sie.
Wie viel Löwenzahnwurzel ist üblich?
Die EMA-Monographie nennt für den Tee 1 bis 5 g geschnittene Wurzel auf 150 ml Wasser, zwei- bis dreimal täglich. Bei Kapseln hältst du dich an die Verzehrempfehlung auf der Packung.
Sind Wurzel und Blätter vom Löwenzahn dasselbe?
Nein. Die Wurzel ist reich an Bitterstoffen und Inulin, die Blätter enthalten viel Kalium. Deshalb unterscheiden sich auch die traditionellen Verwendungen.
Was ist der Unterschied zwischen Löwenzahnwurzel und Löwenzahnwurzelextrakt?
Löwenzahnwurzel als Tee oder Pulver ist die getrocknete, geschnittene oder gemahlene Wurzel. Ein Extrakt ist ein Auszug daraus, bei dem bestimmte Inhaltsstoffe konzentriert werden. Wie viel Wurzel in einem Extrakt steckt, verrät das Droge-Extrakt-Verhältnis auf dem Etikett, etwa 4:1.
Was bringt eine Löwenzahn Kur?
Eine Löwenzahn Kur ist vor allem eine Frühjahrstradition mit Tee oder jungen Blättern. Belegte gesundheitliche Effekte gibt es dafür nicht, und Aussagen wie „entschlackt“ sind nicht haltbar. Als Anlass, mehr Bitteres zu essen, ist sie trotzdem charmant.
Wo kann ich Löwenzahnwurzel kaufen?
Geschnittene Löwenzahnwurzel für Tee gibt es in Apotheken, Reformhäusern und Teeläden, oft in Arzneibuchqualität. Geröstete Wurzel findest du bei Kaffee-Alternativen. Achte bei Kapseln darauf, ob reines Wurzelpulver, ein Extrakt oder eine Mischung drin ist und wie viel davon pro Tagesportion.
Ist Löwenzahn vegan?
Die Pflanze selbst natürlich. Bei Kapseln lohnt ein Blick auf die Kapselhülle: Gelatine ist tierisch, Hüllen aus Zellulose (HPMC) sind vegan.
Unterm Strich
Die Löwenzahnwurzel ist eine traditionsreiche Bitterpflanze, deren Inhaltsstoffe gut beschrieben sind und deren Effekte beim Menschen kaum untersucht wurden. Das ist kein Grund, sie links liegen zu lassen, aber einer, ihr nichts anzudichten.
Wenn du den Geschmack magst, ist eine Tasse Tee vor dem Essen ein schönes Ritual. Wenn nicht, sind Kapseln eine bequeme Alternative. Und wenn du sie im Garten ausgräbst: Viel Glück mit der Pfahlwurzel.
Quellen
- EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Taraxacum officinale, radix (2021)
- EMA/HMPC: Assessment report on Taraxacum officinale, radix cum herba (2009)
- EMA: Taraxaci radix cum herba, Übersicht pflanzliches Arzneimittel
- Di Napoli A, Zucchetti P (2021): A comprehensive review of the benefits of Taraxacum officinale on human health. Bulletin of the National Research Centre 45, 110
- Europäische Kommission: EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.













